Einführung
Historische Einordnung
Die Ursachen von Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen und den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa stehen im engen Zusammenhang mit den vorausgegangenen Verbrechen des NS-Regimes an Millionen von Menschen und vielen Völkern in Europa, aber auch mit den Vereinbarungen der Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg.
Mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Am 22. Juni 1941 marschierte die Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Die Westalliierten landeten am 6. Juni 1944 in der Normandie. Im Oktober 1944 erreichte die Rote Armee in Ostpreußen erstmals deutschen Boden. Nun begann die massenhafte Flucht der deutschen Zivilbevölkerung, der ab März 1945 die „wilde Vertreibung“ der Deutschen durch Polen und Tschechen folgte. Mit 12 bis 14 Millionen Betroffenen gilt die Vertreibung der Deutschen als die größte erzwungene Bevölkerungsbewegung der europäischen Geschichte. Weit über zwei Millionen Menschen kamen dabei ums Leben oder gelten bis heute als vermisst. Die Vertriebenen stammten aus den Ostprovinzen Deutschlands und aus den übrigen deutschen Siedlungsgebieten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa.
Zum Zeitpunkt der Kapitulation am 8. Mai 1945 irrten bereits hunderttausende Flüchtlinge und Vertriebene auch in Mitteldeutschland, der künftigen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), umher. Bis 1950 kamen in das Gebiet der SBZ ca. 4,3 Millionen Menschen aus dem Osten. Zusammen mit den Einheimischen zählte die Bevölkerung der SBZ somit ca. 18 Millionen Menschen.
Damit kamen ca. 25 % der Einwohner, also fast jeder vierte DDR-Bürger, aus dem Osten - deutlich mehr als in der Bundesrepublik (16 % im Jahr 1950).
Die DDR zählte zu den historisch am stärksten von den Flucht- und Vertreibungs- bewegungen betroffenen Gesellschaften weltweit - vergleichbar etwa mit
Griechenland nach Aufnahme der vertriebenen Griechen aus Kleinasien in den 1920er Jahren.
© Christian König, Flüchtlinge und Vertriebene in der DDR-Aufbaugeneration, Leipzig 2014
Bevölkerungsentwicklung in den Jahren 1939, 1946 und 1950 in den ehemaligen preußischen Ländern bzw. ab 1946 in der SBZ und DDR
Die Tabelle zeigt die Entwicklung der Bevölkerungszahlen durch den Zuzug von Vertriebenen. Schon vor Ende des Krieges strömten etwa zwei Millionen Menschen auf das Gebiet. 1946 waren unter der einheimischen Bevölkerung mehr als 3,5 Millionen Vertriebene, die überwiegend in die ländlichen Gebiete verteilt wurden. Zum Ende der 1940er Jahre ebbte der Zuzug ab. 1949 betrug die Zahl der Vertriebenen rund 4,3 Millionen.

© Museum Berlin-Karlshorst e.V. I Foto: Timofej Melnik
Vertriebene verlassen Danzig
Im April 1945 verlassen Deutsche die Stadt Danzig. Ende März 1945 wurde Danzig von der Roten Armee im Zuge der Schlacht um Ostpommern eingeschlossen und erobert. Durch die Kampfhandlungen wurden große Teile der Innenstadt zerstört. Während und nach dem Einmarsch wurden noch erhaltene Häuser der Innenstadt von den sowjetischen Soldaten geplündert und in Brand gesteckt.
Erlebnisbericht der Frau Brigitte Pajain aus Danzig-Langfuhr zum Einmarsch der Russen in Danzig im März 1945
Es mochte so gegen 8:00 Uhr früh des tragischen 27. März gewesen sein. Wir begannen gerade, befreit aufzuatmen, als die ersten Panjewagen in unserer Straße hielten und ehe wir recht begriff en, gingen 10, 20, 30 plündernde Russen durch Haus und Keller. Alle Einwohner fl üchteten aus ihren Wohnungen wieder zurück in die Keller. Was sich nun unseren Augen auftat, lässt sich kaum beschreiben. Unzählige Horden von Russen zogen raubend, plündernd, singend durch die Keller, alle waren sie betrunken, sinnlos warfen sie Eingemachtes von den Regalen herunter, zerschnitten sie Betten, Wäsche, Kleider. Zerschlugen sie Kisten, Koff er und Schränke. Was ihnen gefi el, schleppten sie auf ihre Wagen, alles andere wurde zertreten, zerrissen, verwüstet. Koff er, Taschen und Rucksäcke wurden uns aus den Händen gerissen; Uhren, Ringe und Schmuck hatte längst keine mehr. Verzweifelt, hilfl os, verloren sahen wir dem Werk der Zerstörung zu.
Und dann begann für die Mädchen und Frauen die furchtbarste Zeit. Ich war damals 19 ½ Jahre alt. Als ich sah, wie unter Schreien und Weinen die Frauen in einen Keller gezerrt wurden, fl üchtete ich auf den Hof. Hier wimmelte es von Russen, Pferden und Wagen. Die Garagen waren erbrochen, Fahrräder und Autos herausgeholt, jede Ecke, jeder Winkel wurde durchstöbert, alles wurde zerschlagen und zerbrochen oder weggeschleppt. Im Nu war ich umringt von diesen Horden, ich sah keinen Ausweg, es gab einfach nirgends ein Versteck für mich. Hilfl os jagte ich hin und her, überall verfolgt. Und dann sah ich eine der Grauen Schwestern, die im Nachbarhaus eine kleine Kapelle und ein Altersheim hatten. Sie nahm mich mit, versah mich mit einem alten, langen Mantel und versteckte mich bei den Alten aus dem Heim. Nur selten drangen in diesen Keller Russen ein, mit Lampen leuchteten sie die Alten an und gingen dann meist. Wir beteten hier laut und inbrünstig, stundenlang. Vielleicht würde ein Wunder geschehen und wir würden befreit werden! […]
© Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße, herausgegeben vom ehemaligen Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, Bd. 1
Erlebnisbericht einer Bauersfrau aus dem Kreis Tilsit-Ragnit in Ostpreußen, von der Flucht über das Haff im Januar 1945
Nun ging es vorwärts in Richtung Frisches Haff . Das war die einzigste Stelle, wo wir noch entkommen konnten. Da haben wir nach achttägiger Fahrt Passarge am Frischen Haff erreicht. Eine Nacht durften wir ausruhen, denn die Pferde schaff ten nicht mehr. Nun konnten wir von da aus beobachten, was sich da auf dem Eise abspielte. Die Eisdecke war noch nicht so stark, dass sie die ganze Last tragen konnte. Da waren denn die ersten Trecks eingebrochen und ertrunken. Man sah die eingebrochenen Wagen noch aus dem Eis ausragen. Da habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, wie ganze Reihen von Wagen eingebrochen waren. Wie wir das alles gesehen hatten, haben wir uns geweigert, auf das Eis raufzufahren. Es kam Befehl, der Damm würde in einer Stunde gesprengt, und das Dorf steht unter Wasser. Also waren wir gezwungen, raufzufahren. Es hieß, wir blieben nicht lange auf dem Eise, wir sollten quer rüber nach Kahlberg. Das wären 8 km, und dann wären wir gerettet. Aber es war nicht an dem. Wir waren schon 5 Stunden gefahren und noch war kein Strand zu sehen. Das sagte uns ein Posten, die Posten waren dazu da, um zu sehen, dass die Wagen hintereinander fuhren und auch richtig Abstand hielten. Also mussten wir das Eis entlangfahren.
Als wir noch eine Stunde gefahren waren, wurden wir von Fliegern angegriff en. Ein furchtbares Drama spielte sich ab. Die Bomben schlugen Löcher und ganze Reihen von Wagen gingen unter. Wir hatten keinen Lebensmut und warteten sehnsüchtig auf den Tod. Aber es sollte noch nicht aus sein. Als dieser Angriff beendet war, sind wir Überlebende weitergefahren. Da sind wir dann noch die ganze Nacht durchgefahren und erreichten dann Land. © Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße, herausgegeben vom ehemaligen Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, Bd. 1
© Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße, herausgegeben vom ehemaligen Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, Bd. 1
Flüchtling
Ich fuhr mit dem Wagen, eisenbereift, polternd, im schneekalten Winter, zwei Pferde davor. Eins lahmte, das aßen wir auf. Das zweite tötete ein Splitter, das frass der Treck.
Mit einem kleinen, hölzernen Wagen zogen wir weiter, zu Fuß. Hinter uns dröhnten Kanonen, vor uns fielen Bomben, in der Mitte wuchs der Tod.
Die Frostbeulen schmerzten, im kühlenden Schnee.
Der Frühling kam, die Kadaver tauten und liefen eilig davon.
Die Schwester starb und hastig vergraben gab die Kriegsfurie ihren freudlosen Tanz.
Der eisführende Fluss verschlang die Familie, geschreddert von der Geschichte gleich dem Geröll im Meer.
Der Stein des Vergessens ist flach.
Nur der Flüchtlingspass bleibt mir, handgeschrieben, gestrandet.
© Berndt Seite, Als der Wind zu Besuch kam, Lyrik von 1997-2017, Bertuch Verlag 2018
Deutschland wird geteilt
Strategien der Alliierten
Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 übernahmen die vier Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich die Hoheit über Deutschland. Das Land wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. In ihren Besatzungszonen verfügten die Besatzungsmächte über eine umfassende Befehlsgewalt.
Der Alliierte Kontrollrat legte am 20. November 1945 fest, wie viele Flüchtlinge jede Zone aufnehmen sollte. Die Maßnahmen der Westalliierten und der Sowjetunion waren darauf gerichtet, die Vertreibung irreversibel zu machen. Eine Separierung und Ghettoisierung der Vertriebenen sollte unbedingt vermieden werden. Die Westalliierten verhängten zunächst ein Koalitionsverbot für die Vertriebenenorganisationen, die Sowjets verboten sie dauerhaft.
Unter dem Vorwand, an der Potsdamer Konferenz nicht teilgenommen zu haben, weigerte sich Frankreich, Flüchtlinge in seiner Zone aufzunehmen. Da es die demografische Stärke Deutschlands fürchtete, empfahl es den Vertriebenen die Auswanderung nach Übersee.
Die USA setzten in ihrer Politik der "Reeducation" früh auf demokratisch-rechts- staatliche Selbständigkeit. Offiziell hielt sich die amerikanische Militäradministration aus der Flüchtlingsgesetzgebung und -betreuung heraus. Dennoch wiesen gezielte Interventionen den deutschen Behörden den Weg.
Typisch für die Briten war die "Indirect Rule", eine im britischen Empire bewährte Herrschaftsform, die auf lokale Verwaltungsstrukturen zurückgriff. Im besetzten Deutschland behielt man sich die Zuständigkeit für Flüchtlingsangelegenheiten jedoch lange Zeit vor.
Ziel der Sowjetunion war, die Westverschiebung Polens zu zementieren, eine Rückkehr der Vertriebenen zu unterbinden und in der SBZ ein kommunistisches System nach eigenem Muster zu etablieren. Die Millionen Vertriebene und Flüchtlinge sollten möglichst schnell in die Gesellschaft assimiliert und für das neue Denken gewonnen werden.
In Potsdam behauptete Stalin zunächst, östlich von Oder und Neiße gäbe es keine Deutschen mehr, da alle vor der Roten Armee geflohen seien. Tatsächlich befanden sich dort aber noch mehrere Millionen Deutsche. Daher kam man im Kapitel XIII des Potsdamer Protokolls überein, die Überführung der deutschen Bevölkerung nach Deutschland auf "geordnete und humane Weise" aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn durchzuführen. Die Umsetzung entsprach jedoch nicht den Vereinbarungen. Die verbliebenen Deutschen mussten innerhalb kürzester Zeit ihre Heimat verlassen, durften nur wenig mitnehmen, wurden enteignet. Über eine Million Zivilisten wurden zur Zwangsarbeit in die UdSSR verschleppt.
Verteilungspläne der Alliierten
Die Alliierten gingen von 6,65 Millionen Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen und den deutschen Siedlungsgebieten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa aus, die nach Westen, jenseits der Oder-Neiße-Linie „umgesiedelt“ werden sollten. Bei der Verteilung der Vertriebenen auf die Zonen fehlten jedoch eine halbe Million Deutsche, die keiner Zone zugewiesen waren. In der Realität erreichte die Zahl der vertriebenen und geflüchteten Deutschen bereits 1947 über 10,7 Millionen. Bis 1952 kamen rund 12 Millionen Menschen aus den ehemaligen Ostprovinzen und Siedlungsgebieten in den Besatzungszonen der Alliierten an und mussten versorgt werden.
| in Millionen | |
| Amerikanische Zone | 1,75 |
| Britische Zone | 1,50 |
| Französische Zone | 0,15 |
| Sowjetische Zone | 2,75 |
| gesamt | 6,15 |

Besatzungszonen in Deutschland
Nach 1945 haben die Siegermächte Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die amerikanische Zone umfasste Bayern, Hessen und Teile Baden-Württembergs. Die britische Zone umfasste Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Frankreich übte die Hoheit in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und den restlichen Teilen von Baden-Württemberg aus. Die Sowjetunion übernahm Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Groß-Berlin wurde in vier Zonen aufgeteilt.

© gemeinfrei
Sektorengrenzen Berlin
Von 1945 bis 1990 war Berlin in vier Sektoren geteilt. Bis 1961 war es möglich, sich zwischen den Sektoren zu bewegen. Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wurde die Stadt zweigeteilt. Die Mauer verlief mitten durch die Stadt und entlang der DDR-Grenze rund um die Stadt. Sie war ca. 155 km lang und bis zu 3 m hoch. Nachdem die Grenze zur Bundesrepublik bereits 1952 abgeriegelt wurde, sollte die Mauer um Berlin herum die letzten Schlupflöcher schließen und die Menschen daran hindern, die DDR zu verlassen. Zwei konkurrierende Systeme bestimmten die weitere politische Ausrichtung und Entwicklung Berlins und Deutschlands. Im November 1989 fiel im Rahmen der friedlichen Revolution die Mauer und Deutschland erlangte die Einheit.

© ZgV
25 Jahre nach dem Potsdamer Abkommen gab die DDR im Juli 1970 drei Sonderbriefmarken zum Gedenken an dieses Ereignis heraus.
Die Briefmarken zeigen a) einen typografisch in vier Sprachen gestalteten Titel b) das Schloss Cecilienhof, davor der rote Sowjetstern und c) die Beratung der Repräsentanten der Alliierten Siegermächte, in der Mitte Josef Stalin.
© Bundesarchiv, Bild 183-R67561
Konferenz von Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof
Auf der Konferenz in Potsdam beschlossen die drei Siegermächte USA, Vereinigtes Königreich und die UdSSR die Neuordnung Europas, die Teilung Deutschlands, die „humane Umsiedlung“ der Deutschen aus den Ostgebieten, die Grenzänderungen im Osten und Westen, die Entmilitarisierung und Entnazifizierung Deutschlands. Frankreich war an der Potsdamer Konferenz nicht bete iligt. Weder die USA noch die Sowjetunion sahen sich veranlasst, Vertreter der Provisorischen Regierung der Französischen Republik einzuladen. Später wurde Frankreich hinzugezogen. Bei den Verhandlungen sitzen die drei Delegationen am runden Tisch: Hinten in weißer Uniform Josef Stalin, links der britische Premierminister Clement Attlee, rechts US-Präsident Harry S. Truman.
© gemeinfrei
Konferenz von Jalta auf der Krim vom 4. bis 11. Februar 1945
Die Konferenz von Jalta war ein diplomatisches Treff en der alliierten Staatschefs Franklin D. Roosevelt (USA), Winston Churchill (Vereinigtes Königreich) und Josef Stalin (UdSSR) im auf der Krim gelegenen Badeort Jalta. Es war das zweite von insgesamt drei alliierten Gipfeltreffen der „Großen Drei“ im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945). Themen der Konferenz waren vor allem die Aufteilung Deutschlands und die Machtverteilung in Europa nach dem Ende des Krieges. Sitzend von links nach rechts: Der britische Premierminister Winston Churchill, der bereits schwer kranke US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der wenige Wochen später starb, sowie der sowjetische Machthaber Josef Stalin.
Deutsche haben ihre Heimat zu verlassen
Herkunft und „unsichtbares Fluchtgepäck“ der Vertriebenen
Die Flüchtlinge und Vertriebenen, die ab 1945 in die vier Besatzungszonen gelangten, hatten ihre Heimat in weiten Teilen in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa. Viele waren bereits 1939/40 infolge des Hitler-Stalin-Paktes zwangsumgesiedelt worden. Dazu zählten die Deutschen aus den baltischen Staaten, Teilen der Sowjetunion oder Gebieten Süd- osteuropas wie z.B. Bessarabien. Die meisten waren in den deutsch besetzten Gebieten Polens angesiedelt worden. Die größten Gruppen von Vertriebenen stammten aus den ehemaligen deutschen Provinzen Ostpreußen, (Hinter-)Pommern und Schlesien, aus dem östlichen Brandenburg, der Stadt Danzig, dem ehemaligen Westpreußen und aus der Tschechoslowakei. Weitere Flüchtlinge kamen aus Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Polen. Was ihre Herkunftsgebiete angeht, so waren die Vertriebenen nicht gleich- mäßig über Deutschland verteilt. Dies hatte vor allem geographische Gründe: Die Vertriebenen aus Südosteuropa kamen meist in Süddeutschland an, die Sudetendeutschen in Bayern, Hessen und Sachsen, die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ost- provinzen in der sowjetischen oder der britischen Besatzungszone, die über die Ostsee aus Ostpreußen, Danzig oder Pommern Geflüchteten oft in Schleswig-Holstein.
Die Vertriebenen in der SBZ unterschieden sich von den Alteingesessenen durch ihre Dialekte, das mitgebrachte kulturelle Eigenleben und die verschiedenen Ausprägungen bei der Ausübung der Religion. Besonders markant waren der ostpreußische und
der schlesische Dialekt, jeweils mit eigenem Wortschatz. Die Vertriebenen aus der Tschechoslowakei sprachen verschiedene Dialekte, je nachdem, aus welchem Landesteil sie stammten. Ebenso waren die Deutschen aus Südosteuropa und Ost- europa leicht an ihrem Dialekt zu erkennen. Die ostdeutschen Dialekte ließen sich in der neuen Heimat nicht etablieren, bzw. wurden nur noch im privaten Raum gesprochen. Schon die Kinder und erst recht die Enkel sprachen, soweit sie in der
SBZ oder DDR geboren wurden, den Zungenschlag ihrer Umgebung, nicht den der Herkunftsregion ihrer Familie.
Aus ihrer Heimat brachten viele besondere Fähigkeiten mit. Ein Großteil war in der Landwirtschaft tätig gewesen. In Oberschlesien hatten Hunderttausende im Bergbau und in der Schwerindustrie gearbeitet. Sie halfen mit, diese Wirtschaftszweige in der SBZ und DDR aufzubauen. Aus dem Sudetenland kamen Vertriebene mit Kenntnissen in der Herstellung von Schmuck, Glas, Musikinstrumentenbau und Porzellan. Akademiker von ostdeutschen Universitäten wie Königsberg und Breslau konnten
an den Hochschulen in der SBZ und DDR ihre Laufbahn beginnen oder fortsetzen.
Zahlen der Vertriebenen und Flüchtlinge nach Herkunftsgebieten, Stand 1950
In den Ostgebieten des Deutschen Reiches lebten 1939 etwa 9,6 Millionen Menschen. Die Tabelle benennt die jeweiligen Länder oder zusammengefassten Regionen, aus denen die Deutschen ab
Herbst 1944 flüchteten oder vertrieben wurden und wie sie auf die Besatzungszonen bzw. beiden Teile Deutschlands verteilt wurden. Knapp 7 Millionen Deutsche kamen aus den ehemaligen Ostprovinzen
des Deutschen Reiches und mussten infolge des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat in Schlesien, Pommern, Ostpreußen und Ostbrandenburg verlassen. Mit knapp 2,9 Millionen waren die Sudeten- deutschen die zweitgrößte Gruppe unter den Vertriebenen, gefolgt von den rund 1,35 Millionen Deutschen, die in von Nazi-Deutschland besetzten Teilen Polens lebten. Aus Danzig sind mit 305.000 Deutschen
drei Viertel der deutschen Bevölkerung geflohen. Die Vertreibung aus Ungarn erfolgte in zwei Wellen:
im Januar 1946 mit rund 130.000 und Mitte 1947 mit weiteren 50.000 Deutschen. Der Großteil gelangte
in die westlichen Besatzungszonen, rund 10.000 Personen kamen in die SBZ, viele nach Pirna in Sachsen. Besonders schwer erging es den Donauschwaben in Jugoslawien. 1945 befand sich die gesamte jugoslawien- deutsche Bevölkerung in Lagern. Ca. 60.000 überlebten die Lager nicht. Bis 1950 kamen rund 185.000 Donauschwaben nach Deutschland. Die Deutschen in Rumänien wurden größtenteils zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Bis 1950 kamen knapp 93.000 Deutsche aus Rumänien in die beiden
Teile Deutschlands. Ca. 70.000 Deutsche mussten ihre Heimat in Litauen, Estland und Lettland verlassen.

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Das Krantor an der Mottlau in Danzig, Gdańsk in Polen
Das Krantor in Danzig wurde im Stil der Backsteingotik unmittelbar am Mottlauhafen errichtet. Der 31 Meter hohe Mittelbau überragt die Flankentürme. Zur Hafenseite hin beschützte es die Stadt und diente zugleich als Ladeeinrichtung. 1945 wurde es stark zerstört und in den 1950er Jahren rekonstruiert.

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Das Schloss der preußischen Könige in Königsberg, Kaliningrad in Russland
Das Schloss war neben dem Königsberger Dom ein Wahrzeichen der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zerstört. In der Nachkriegszeit war die Schlossruine dem weiteren Verfall preisgegeben. Der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Iljitsch Breschnew ließ 1968 die Ruine restlos sprengen und abtragen.

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Das Schwarzhäupterhaus auf dem Rathausplatz der lettischen Hauptstadt Riga
Das Haus wurde 1334 als das „Neue Haus der Großen Gilde“ erstmals urkundlich erwähnt. Es diente sowohl den Kaufleuten als auch der vorwiegend deutschen Bürgerschaft Rigas für Zusammenkünfte. Das im gotischen Stil errichtete Haus entsprach mit seinem steilen Giebeldach, dessen First die stattliche Höhe von 27 Metern erreichte, einem mittelalterlichen Wohnhaus. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg bereits 1941 durch den Beschuss von deutschen Truppen bei der Einnahme Rigas zerstört. In Vorbereitung der 800-Jahr-Feier der Stadt wurde das Haus innerhalb von sieben Jahren (1993-1999) originalgetreu rekonstruiert.

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Die Marienburg, ehemals Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens in Marienburg, Westpreußen, Malbork in Polen Die Marienburg stammt
Die Marienburg stammt aus dem 13. Jahrhundert und war Sitz der Hochmeister des Ordens im Deutschordensstaat. Sie ist der größte Backsteinbau Europas und wurde im Zweiten Weltkrieg zu 60 % zerstört. Das UNESCO-Weltkulturerbe beherbergt mehrere Ausstellungen und kann das ganze Jahr über besichtigt werden.

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Der Dom in Temeswar, Timișoara in Rumänien
Der Temeswarer Dom ist eine römisch-katholische Kirche am Domplatz der westrumänischen Stadt. Er ist nach der Kathedrale von Großwardein, Oradea der zweitgrößte barocke Sakralbau in Südosteuropa. Der Grundriss der Domkirche hat die Form eines Doppelkreuzes. Das Gotteshaus steht unter Denkmalschutz.

© gemeinfrei
Das Städtische Museum auf der Hakenterrasse in Stettin, heute Nationalmuseum in Szczecin, Polen
Die Terrasse war benannt nach dem Oberbürgermeister Hermann Haken, der von 1878-1907 in Stettin amtierte. Heute heißt das Bauensemble Wały Chrobrego und ist nach dem ersten polnischen König Boleslaw I. benannt.
© gemeinfrei
Die siebenbürgische Kirchenburg in Birthälm, Biertan in Rumänien Die Kirchenburg von Birthälm ist eine spätgotische
Die Kirchenburg von Birthälm ist eine spätgotische Kirchenburg in der historischen Landschaft Siebenbürgen. Erbaut wurde sie Ende des 15. Jahrhunderts von den dort beheimateten Siebenbürger Sachsen. Mit dem sie umgebenden Ort gehört die Kirchenburg seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
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Das Rathaus von Reichenberg, Liberec in Tschechien
Das Rathaus der Stadt Reichenberg im Sudetenland wurde von 1890-1893 nach einem Entwurf des Wiener Architekten Franz von Neumann im Stil der Neorenaissance errichtet. Das Gebäude an der Nordseite des Altstädter Platzes ist das Wahrzeichen der Stadt und steht seit 1958 unter Denkmalschutz.
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Das Rathaus in Breslau, Wrocław in Polen
Die erste urkundliche Erwähnung des Rathauses stammt aus einer Mietrechnung für das Gebäude aus dem Jahr 1299. Danach wurde es in mehreren Jahrhunderten immer wieder erweitert und den gewachsenen Bedürfnissen der Verwaltung angepasst. Im Zweiten Weltkrieg wurde es leicht beschädigt und in den Jahren 1949-1953 restauriert. Es gilt als ein Wahrzeichen der Stadt Breslau. Im historischen Bauwerk befindet sich heute das Museum der bürgerlichen Kunst. In den Kellerräumen gibt es noch immer die seit mehr als 700 Jahren (von ca. 1275) existierende Bierwirtschaft „Schweidnitzer Keller“.
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Der Dom in Fünfkirchen, Pécs in Ungarn
Die Kathedrale St. Peter und Paul in Fünfkirchen ist eine römisch-katholische Kirche in der südungarischen Stadt Pécs und Bischofskirche des Bistums Pécs. Die Grundmauern der heutigen Kirche gehen auf das Ende des 4. Jahrhunderts zurück. Die heutige neoromanische Gestalt des Doms entstand zwischen 1882 und 1891.
Wappen
Wappen sind als Schildzier im Mittelalter entstanden. Geharnischte Ritter konnten im Kampf Freund und Feind an den Wappen unterscheiden. Wappen haben bis heute eine weite Verbreitung: Staaten, Kommunen, adlige Dynastien, bürgerliche Familien, Herrscher, Bistümer, Universitäten und militärische Verbände zählen zu den Wappenträgern. Sie sind Erkennungszeichen und identitätsstiftend für die jeweiligen Wappenträger. In diesem Sinne haben sich auch die Landsmannschaften der deutschen Vertriebenen eigene Wappen gegeben. Die Wappen sind bei den Vertriebenen aus den deutschen Ostprovinzen im Allgemeinen diejenigen, welche die Provinzen zu deutscher Zeit vor 1945 führten, etwa der pommersche Greif oder der schlesische schwarze Adler. Andere Wappen aus den übrigen deutschen Siedlungsgebieten sind erst nach 1945 entstanden, so etwa die Kornähre der Russlanddeutschen, die Heraldiker im Auftrag der Landsmannschaft 1950 entworfen haben.
Der Sozialismus kommt
Die Entstehung der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)
Die Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam beschlossen. Die fünf Länder Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen wurden Sowjetische Besatzungszone. Ost-Berlin war in den Augen der Westalliierten nicht
Teil der SBZ und DDR, de facto wurde der sowjetische Sektor Berlins aber zur Hauptstadt der DDR.
Am 5. Juni 1945 übernahm der „Alliierte Kontrollrat" die oberste Regierungsgewalt in Deutschland. Er bestand aus den Militärgouverneuren der vier Besatzungszonen. Am 9. Juni trat die „Sowjetische Militäradministration" in Deutschland (SMAD) mit Sitz in Berlin-Karlshorst offiziell die Regierung in der SBZ an. Ihr oberster Befehlsinhaber war Georgi Konstantinowitsch Schukow.
Im Juli 1945 zogen sich die Westalliierten aus den Gebieten, die zur SBZ gehören sollten, zurück und nahmen die auf der Jalta-Konferenz für sie bestimmten Sektoren Berlins ein.
Die unterschiedlichen politischen Entwicklungen in der SBZ und in den Westzonen leiteten den Kalten Krieg zwischen den einstigen Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition ein. Die Teilung Deutschlands führte schließlich 1949 zur doppelten Staatsgründung˜ aus den drei westlichen Besatzungszonen entstand mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland, aus der SBZ wurde am 7. Oktober 1949 mit dem Inkrafttreten der Verfassung die Deutsche Demokratische Republik (DDR).

© gemeinfrei
Georgi Konstantinowitsch Schukow, Marschall der Sowjetunion (1896-1974)
Georgi Konstantinowitsch Schukow (Bildmitte) war vom 9. Juni 1945 bis zum 12. März 1946 Oberbefehlshaber der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland und Oberster Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Er trug die Gesamtverantwortung für die sowjetische Besatzungspolitik in der SBZ. Weil Schukow seinen Ruhm ungeniert genoss, öffentliche Huldigungen entgegennahm ohne Stalin dabei zu erwähnen, wurde dieser misstrauisch, ließ 1946 sieben Eisenbahnwaggons mit Möbeln beschlagnahmen, die Schukow als persönliche Beute aus Deutschland in die Sowjetunion überführen wollte, und degradierte ihn am 3. Juni 1946 zum Kommandeur des Militärbezirks Odessa. Als sich erwies, dass Schukows Popularität dadurch keinen wesentlichen Schaden erlitten hatte, befahl Stalin, Schukows Moskauer Wohnung und dessen Landhaus konspirativ durchsuchen zu lassen. Dort fanden die Tschekisten „nicht ein einziges Produkt sowjetischer Herkunft“, sondern große Mengen im besetzten Deutschland geraubter Gegenstände, darunter goldene Uhren, wertvolle Teppiche, Möbel und Gemälde. Als eine Durchsuchung in Odessa das gleiche Ergebnis erbrachte, musste Schukow sein gesamtes Diebesgut abgeben, wurde seiner Funktionen entbunden und in den Militärbezirk Ural versetzt. Nach Stalins Tod wurde Schukow zurückbeordert und erneut stellvertretender Verteidigungsminister und Chef der Landstreitkräfte.
Sowjetische Besatzungszone (SBZ)
Die alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges beschlossen auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam 1945 die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen. Zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte das Gebiet der heutigen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, sowie der Ostteil Berlins. Am 7. Oktober 1949 wurde die SBZ zum Staatsgebiet der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Republik (DDR).
Das Kürzel SBZ wurde in der Bundesrepublik bis in die 1970er Jahre teilweise verpflichtend verwendet. Erst mit dem Grundlagenvertrag 1972 änderte sich der Sprachgebrauch in „DDR".
Am 3. Oktober 1990 kam es zur Vereinigung beider deutscher Staaten.
Sowjetische Militäradministration (SMAD) und Sowjetische Kontrollkommission (SKK)
Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) war nach dem Zweiten Weltkrieg die oberste Besatzungsbehörde und somit die De-facto-Regierung in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands von Juni 1945 bis zur Übertragung der Verwaltungshoheit an die Regierung der DDR am 10. Oktober 1949.
Die Sowjetische Kontrollkommission (SKK) war eine Überwachungs- und Leitungsinstitution der sowjetischen Besatzungsmacht über die Führung der DDR. Sie löste die SMAD ab und bestand vom 10. Oktober 1949 bis zum 28. Mai 1953.

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Briefmarken der SBZ
Die erste Briefmarke in der SBZ kam am 25. Juni 1945 heraus und wurde am Verkaufstag wieder eingezogen. Sie hatte eine deutsche und eine russische Inschrift. Ursprünglich wurden 1.030.500 Stück gedruckt; die Marken wurden jedoch wegen Beanstandungen gleich wieder eingezogen, für ungültig erklärt und zum großen Teil amtlich vernichtet; eine geringe Restmenge kam in Umlauf. Ab Juli 1945 wurden auf dem Gebiet der SBZ neue Briefmarken herausgegeben nur mit der Inschrift „Post“, später auch die provinzbezogenen. Ab Juli 1948 wurden die Marken mit dem Aufdruck „Sowjetische Besatzungs Zone“ ausgegeben. Die letzte Ausgabe für die SBZ erschien am 30. August 1949. Danach erschienen DDR-Briefmarken. Die Marken der Sowjetischen Besatzungszone verloren in der DDR am 31. Dezember 1951 ihre Gültigkeit.
© Bundesarchiv, Bild 183-S90341
DDR-Regierung bei der Sowjetischen Kontrollkommission
Empfang bei Marschall Wassili Iwanowitsch Tschuikow am 11. November 1949 in Berlin. Armeegeneral Tschuikow, der Chef der Sowjetischen Kontrollkommission (SKK), der die Kontrolle über die Durchführung der Bestimmungen des Potsdamer Abkommens oblag, begrüßte die Mitglieder der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, den Minister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Hermann Kastner und den Ministerpräsidenten und stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden Otto Grotewohl.
Befehl Nr. 1 der Sowjetischen Militäradministration vom 9. Juni 1945
Die Sowjetische Militäradministration übernahm mit der formalen Verfügung in Form eines „Befehls“ die Regierungsgewalt in der sowjetischen Zone. Befehle waren sowohl intern als auch nach außen das rechtliche Steuerungsinstrument der militärisch organisierten Besatzungsbehörde.
Ein Unrechtsstaat entsteht
Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)
Die Teilung Deutschlands in Zonen war das Ergebnis der Nachkriegsordnung der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen dem Westen unter der Führung der USA und dem Osten unter der Führung der Sowjetunion entstanden nicht nur zwei deutsche Staaten, sondern zugleich zwei konkurrierende politische Systeme.
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) ging aus der Sowjetischen Besatzungs- zone (SBZ) hervor, wie sie auf den Konferenzen der Hauptsiegermächte in Jalta und Potsdam 1945 festgelegt worden war. Die Vorbereitungen dazu waren in Moskau getroffen worden. Die politischen Führungskader der unter dem Naziregime verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) kehrten aus dem Exil in der Sowjetunion nach Deutschland zurück. Walter Ulbricht hatte sich bereits im sowjetischen Exil das Vertrauen der Sowjets erworben und übernahm zunächst die Organisation der Verwaltung, dann des Staatsapparates und bereitete die 1949 erfolgte Gründung der DDR vor.
Obwohl die DDR das Adjektiv —demokratisch˜ im Namen führte, war sie eine kommunistische Diktatur nach sowjetischem Abbild. Während der 40 Jahre ihrer Existenz standen die DDR und ihr Regime unter der Vorherrschaft der UdSSR. Ohne den Politikwechsel der sowjetischen Staatsführung ab 1985 unter Michail Gorbatschow (—Glasnost˜ und —Perestroika˜) wäre die friedliche Revolution nicht möglich gewesen.
Die Staatsideologie der DDR war der Marxismus-Leninismus. Es existierten weder freie Wahlen noch eine organisierte politische Opposition. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) bestimmte die Leitlinien des Staates und der Gesellschaft. Sie entwickelte die DDR zum Überwachungsstaat, der seine Bürger ausforschte, abhörte und überwachte. Jegliche Formen von Opposition, ob gesellschaftskritisch, antisowjetisch, prokirchlich wurden unterdrückt. Meinungs-, Presse- oder Vereinigungsfreiheit gab es nicht. Reisefreiheit in die sozialistischen Bruderstaaten im Osten war nur bedingt möglich. In den Westen konnten nur Rentner reisen. Kritik gegen die Staatsgewalt war illegal. Die Justiz war nicht unabhängig, sondern unterlag dem Willen der Partei. Verhaftungen und Verurteilungen von Regimegegnern oder Personen, die dafür gehalten wurden, fanden bis Mitte der 1950er Jahre auch im Zusammenspiel mit der Sowjetischen Militärjustiz statt. Lange Haftstrafen und Todesurteile, teilweise mit Deportation in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit oder Vollstreckung des Todesurteils in Moskau, waren grausame Instrumente der DDR-Unrechtsjustiz.
Der Staat griff in alle Lebensbereiche der Bürger ein, machte auch keinen Halt vor dem Privaten. Bespitzelungen in Familien, unter Freunden und im Betrieb gehörten zum Alltag. Unbequeme Regimekritiker wurden inhaftiert oder ausgebürgert, Kinder den Müttern entzogen, Ehen vorsätzlich entzweit, Misstrauen gegenüber jedermann gesät.
Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 wurde von sowjetischen Panzern niedergeschlagen. Eine Zäsur bildete der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961, wodurch die rasante Abwanderung aus der DDR gestoppt und so das Regime gefestigt wurde. Die Unzufriedenheit der DDR-Bürger mit dem Regime, insbesondere die Weigerung Honeckers, sich dem Reformkurs Gorbatschows anzuschließen, und die rapide Verschlechterung der Wirtschaft, besonders im Bereich der Konsumgüter, bereiteten in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre den Nährboden für die friedliche Revolution 1989 und binnen Jahresfrist für die deutsche Vereinigung.
An der Spitze des DDR-Regimes standen die SED-Politiker Walter Ulbricht (1949- 1971), Erich Honecker (1971-1989), Otto Grotewohl (1949-1964) und Wilhelm Pieck (1949-1960).
Zentralkomitee ZK
Das höchste Organ der SED war das Zentralkomitee (ZK), welches eine administrative Einrichtung sowie die höchste Parteiinstanz war. Das ZK wählte den Generalsekretär und bestimmte die Mitglieder des Politbüros und Sekretariates. Der Posten des Generalsekretärs war das höchste Amt der SED. Außerdem war er gleichzeitig Vorsitzender des Politbüros der SED.
Freie Deutsche Jugend (FDJ)
Die Freie Deutsche Jugend (FDJ) ist ein kommunistischer Jugendverband. In der DDR war die FDJ eine staatlich anerkannte und geförderte Jugendorganisation. Sie war als Massenorganisation Teil eines parallelen Erziehungssystems zur Schule. Nach dem Ende der DDR versank sie in der politischen Bedeutungslosigkeit. Die FDJ in Westdeutschland ist seit 1954 als verfassungswidrige Organisation verboten, während die FDJ aus der Zeit der DDR heute legal operieren kann.
„Glasnost“ und „Perestroika“
„Glasnost" (Offenheit) und „Perestroika" (Umgestaltung) nennt man den Zeitabschnitt und Prozess, den Michail Gorbatschow, der ehemalige Generalsekretär der KPdSU, 1985 in Gang gebracht hat.
Der Reformprozess galt zunächst der Umgestaltung der Sowjetunion. Gorbatschow setzte sich dafür ein, Politik und Gesellschaft zu reformieren und die angespannte Wirtschaftssituation zu bekämpfen. Im Zuge des Prozesses kam es zum Zerfall des Sowjetreiches und 1991 schließlich zum Ende der Sowjetunion.
Die „Gruppe Ulbricht“
Die nach Walter Ulbricht benannte „Gruppe Ulbricht“ war ein Zusammenschluss von deutschen Politikern, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs aus Moskau nach Deutschland ausgeflogen wurden, um die sowjetische Besatzungsmacht in deren Sinne beim Aufbau neuer Strukturen in Berlin zu unterstützen.
Der Artikel über die Ankunft der Gruppe Ulbricht kann über den Button abgerufen werden Dauer 18:53 Minuten
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Walter Ulbricht
Ulbricht, 1893 in Leipzig geboren, war eine zentrale Figur in der Geschichte des deutschen Kommunismus und der DDR. Schon vor der Kapitulation waren mehrere Gruppen von KPDMitgliedern aus Moskau in die SBZ gekommen, darunter die Gruppe Ulbricht. Der spätere DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht war überzeugter Kommunist und erhoffte sich nach dem jahrelangen Exil in der Sowjetunion den Aufbau einer neuen sozialistischen Gesellschaft in Deutschland. Er organisierte in der SBZ die Neugründung der KPD und die Zwangsvereinigung der KPD und der SPD, die 1946 auf Druck der sowjetischen Besatzungsbehörden zustande kam. Walter Ulbricht war über mehr als 20 Jahre der einflussreichste DDR-Politiker und verantwortete mit dem ZK die Entwicklung der DDR zur Diktatur und zum Überwachungsstaat. Wegen der massiven Abwanderungen in den Westen setzte Ulbricht den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 durch, obwohl er dieses Vorhaben in einer vorigen Pressekonferenz verneint hatte. Folgendes Zitat ist dabei noch heute bekannt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Er verstarb am 11. August 1973 in Groß Dölln.
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Otto Emil Franz Grotewohl
Grotewohl wurde am 11. März 1894 in Braunschweig geboren. Als Sozialdemokrat war er in der Weimarer Republik Minister im damaligen Freistaat Braunschweig, später Reichstagsabgeordneter. 1946 vollendete er den Zusammenschluss von KPD und SPD zur SED. Von 1949 bis zu seinem Tode 1964 war er Ministerpräsident der Deutschen Demokratischen Republik. Im Juli 1950 war Grotewohl Mitglied der Delegation, die das Görlitzer Abkommen über die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen unterzeichnete. Wegen schwerer Erkrankung zog er sich 1960 aus dem politischen Leben zurück.
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Friedrich Wilhelm Reinhold Pieck
Pieck wurde 1876 in Guben geboren. Er war seit den 1890er Jahren in der Bremer SPD aktiv und wurde 1919 Mitbegründer und führender Funktionär der KPD. Von 1933 bis 1945 lebte er im Exil, hauptsächlich in Moskau. Nach der von ihm maßgeblich mitbetriebenen Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED wurde er 1946 einer der beiden Parteivorsitzenden der SED neben Otto Grotewohl. Er war nach Gründung der DDR 1949 bis zu seinem Tod 1960 der einzige jemals amtierende Präsident der DDR.
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Erich Ernst Paul Honecker
Honecker wurde 1912 in Neunkirchen/Saarland geboren. Im Alter von 18 Jahren trat er der KPD bei, wurde 1935 von der Gestapo verhaftet und zu 10 Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. Im März 1945 gelang ihm die Flucht. Nach dem Krieg schloss er sich der „Gruppe Ulbricht“ an und wurde Jugendsekretär und Vorsitzender der FDJ. Von 1971 bis zu seiner Entmachtung 1989 war er der maßgebliche Politiker der Deutschen Demokratischen Republik. Nach der Wende wurde gegen Honecker wegen der Schießbefehle an der innerdeutschen Grenze ermittelt und Haftbefehl erlassen. Im März 1991 floh er nach Moskau und wurde im Juli 1992 wieder nach Berlin ausgeflogen, wo er verhaftet und in die Haftanstalt Berlin Moabit gebracht wurde. Zu einer Verurteilung Honeckers kam es nicht, weil die Verfahren aus gesundheitlichen Gründen eingestellt wurden. Im Januar 1993 wurde er aus der U-Haft entlassen und flog nach Chile, wo er im Mai 1994 mit 81 Jahren verstarb.
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Das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik
Das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik besteht aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz, der im unteren Teil von einem schwarzrot- goldenen Band umschlungen ist. Das öffentliche Vorzeigen dieser Flagge wurde bis Ende der 1960er Jahre in der Bundesrepublik und West-Berlin als ein Verstoß gegen Verfassung und öffentliche Ordnung angesehen und durch polizeiliche Maßnahmen verhindert. Erst 1969 verfügte die Bundesregierung, „dass die Polizei nirgendwo mehr gegen die Verwendung von Flagge und Wappen der DDR einschreiten sollte“. Der Wappenentwurf stammt von dem Grafiker und Illustrator Heinz Behling.
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Die DDR-Verfassung trat am 7. Oktober 1949 in Kraft
Die Arbeiten an dem Entwurf der ersten DDR-Verfassung begannen bereits 1946 und basierten auf den Beschlüssen der sowjetischen Militäradministration, die die Macht der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in dem neuen Staat zementieren wollte. Die Verfassung trat im Oktober 1949 in Kraft. 1968 und 1974 folgten Änderungen der Verfassung, die den Sozialismus weiter festigten, die Freundschaft mit der UdSSR hervorhoben und die gesamtdeutschen Bezüge entfernten. 1949 erhob die Führung der DDR noch den Anspruch, Gesamtdeutschland zu vertreten, daher die gesamtdeutsche Landkarte.
Deutschland am Boden
Kriegszerstörungen und Reparationen
Die Vertriebenen gelangten westlich der Flüsse Oder und Lausitzer Neiße in eine Region, die bis zur Kapitulation im Mai 1945 ständigen Luftangriffen der Alliierten ausgesetzt war. So waren bei der Bombardierung Dresdens durch die britische Royal Air Force und die US Air Force im Februar 1945 Tausende von Flüchtlingen aus dem Osten in der Stadt. Viele kampierten im Großen Garten nahe der Innenstadt. Wie viele Flüchtlinge unter den bis zu 25.000 Toten ums Leben kamen, lässt sich nicht genau ermitteln. Unter den Vertriebenen und Flüchtlingen waren besonders viele Frauen und Kinder.
Starke Kriegszerstörungen hatten fast alle deutschen Großstädte zu erleiden. Manche Innenstädte wie die von Berlin, Dresden, Leipzig, Chemnitz oder Magdeburg waren bis zu 80 Prozent zerstört. Auch kleinere Städte wurden bombardiert oder von der Artillerie sturmreif geschossen. Die Amerikaner sahen im massiven Beschuss einer Stadt die Möglichkeit, die eigenen Verluste an Menschenleben gering zu halten und die Moral der Zivilbevölkerung zu brechen, während die NS-Propaganda gleichzeitig an den Durchhaltewillen der Deutschen appellierte.
Reparationen waren von den Alliierten auf den Kriegskonferenzen besprochen worden. Jede Siegermacht war frei, Demontagen in ihrer Zone vorzunehmen und über ihre Höhe selbst zu entscheiden. Demontagen fanden in der SBZ länger und umfangreicher statt als in den Westzonen: Stalin ließ ganze Fabriken, Industrieanlagen in unterschiedlichen Branchen (Chemie, Kohle, Stahlindustrie), Gleis- und Kommunikations- anlagen abbauen und in die UdSSR transportieren. Auch aus der laufenden Produktion fanden Entnahmen an Waren und Mitteln statt. Proteste der Verantwortlichen und Beschäftigten an die sowjetischen Militärbehörden oder Parteien waren ergebnislos. Auch Menschen als „Reparationsgut" wurden von den SMAD aus der SBZ in die Sowjetunion deportiert. Besonders Menschen, die sich dem System nicht anpassten und denunziert wurden, kamen ins Visier der Militärjustiz, wurden aufgegriffen, verurteilt und in den Workuta-Lager-Komplex im Norden Russlands verbracht.
Rund 35.000 Menschen sind auf diese Weise in der SBZ der Strafjustiz der Sowjets zum Opfer gefallen.
Reparationen und Wiedergutmachung, Übersicht der geleisteten Zahlungen Deutschlands im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg
© Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages 2023
Brief des SED-Kreisvorstandes Wernigerode an den SED-Zentralvorstand vom 16. Dezember 1946
Der Betrieb Eckold wird demontiert. Laut Befehl, der von der Kommandantur gleichfalls vorliegt, handelt es sich um eine Teildemontage. […]
Der Demontageoffizier erklärt, dass der Befehl für ihn nicht gültig ist und er sämtliche Maschinen abtransportieren lässt. Wenn dieser Befehl durchgeführt würde, bedeutet es, dass der letzte Maschinenbaubetrieb aus Wernigerode verschwindet. […]
Die Demontageoffiziere erkennen […] Befehle nicht an und handeln willkürlich, angeblich nach Befehlen, die in ihren Händen sind. Das sind Widersprüche, die für uns den Wirtschaftstod bedeuten. Wir denken gar nicht daran, zum Totengräber der deutschen Wirtschaft zu werden, sondern wollen aufbauen. Deshalb fordern wir, dass eine Teildemontage durchgeführt wird, sodass ein organisatorisch gegliederter Restbetrieb verbleibt, mit dem wirklich eine dem Betrieb angemessene Fabrikation aufgenommen werden kann.
© DDR-Geschichte in Dokumenten, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 350, 1998
Telegramm der KPD- und SPD-Betriebsgruppen an Wilhelm Pieck, 13. März 1946
Die SMA hat die Demontage unseres Zementwerks Göschwitz bei Jena verfügt. Göschwitz ist das einzigste Zementwerk, das die Länder Thüringen und Sachsen versorgt. […] Der ganze Wiederaufbau in Thüringen und Sachsen – Städte, Dörfer, Neubauten, Brücken, Straßen – wird lahmgelegt, wenn Göschwitz zum Erliegen kommt. Ohne Göschwitz müssen auch die Zweigwerke Stüdnitz und Unterwellenborn stillgelegt werden. Hilf uns. Thüringer Landesverwaltung und Thüringen SMA sind machtlos. Marschall Schukow hat letzte Entscheidung in der Hand. Hilf uns. Schnellste Hilfsmaßnahmen erforderlich. Gib bitte Nachricht. Zementwerk Göschwitz.
© DDR-Geschichte in Dokumenten, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 350, 1998
Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG)
SAG war die Bezeichnung für Wirtschaftsunternehmen in der SBZ und DDR, die von der sowjetischen Besatzungsmacht zunächst enteignet oder ins sowjetische Eigentum überführt und dann neu gegründet und geleitet wurden. Hauptzweck war die Erfüllung von Ansprüchen der Sowjetunion auf Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zu den SAG-Betrieben gehörten rund 200 große Industriebetriebe, Teile des Schiffbaus an der Ostseeküste und Teilbereiche des Schwermaschinenbaus. Die Uran- und Erzabbaubetriebe nahmen eine Sonderstellung ein. Die Reparationsentnahmen endeten Anfang 1954. Die SAG-Betriebe wurden danach in das DDR-Eigentum überführt.
Reparationskosten
Im Rahmen der Reparationsleistungen an die Sowjetunion wurden in der Zeit von 1945-1953 bis zu 2.400 Betriebe in der SBZ demontiert. Das Schienennetz verkleinerte sich um etwa 11.800 km und 48 gegenüber dem Vorkriegsstand. Die Entnahmen aus der laufenden Produktion betrugen durchschnittlich 22 des jährlichen Bruttosozialprodukts. Betriebe wie die Wismuth AG wurden in Sowjetische Aktiengesellschaften umgewandelt und produzierten im Wesentlichen für die UdSSR. Als die Reparationsentnahmen mit dem Volksaufstand 1953 endeten, hatte die SBZ und DDR die höchsten im 20. Jahrhundert bekanntgewordenen Reparationsleistungen erbracht. Über die Höhe der Reparationskosten gibt es unterschiedliche Quellen mit unterschiedlichen Angaben. Die Berechnungen basieren teilweise auf der Kaufkraft von 1938 und der von 1953. Eine Übersicht über die unterschiedlichen Größenordnungen der Kosten wurde vom Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages erstellt.

© ZEISS Archiv
Leergeräumte Werkshalle der ZEISS-Werke im thüringischen Jena, 1947
Eine leere Werkshalle als Folge der Demontage durch die Sowjetische Besatzungsmacht. Die ZEISS-Werke gehörten zu den Betrieben, die der Demontage unterlagen.

© gemeinfrei
Zerstörte Innenstadt von Magdeburg
Am 16. Januar 1945 erfolgte der große angloamerikanische Bombenangriff, bei dem fast die gesamte Innenstadt Magdeburgs zerstört wurde. 800 Bomber luden 1.000 Luftminen, 12.000 Sprengbomben und 200.000 Brandbomben über der Stadt ab. Magdeburg hatte nach jener grauenvollen Nacht 16.000 Tote, 24.648 Verwundete und 24.456 Obdachlose zu beklagen – fast das ganze Stadtzentrum lag in Trümmern. Für den Wiederaufbau der zerstörten Elbestadt stellte die Regierung der DDR alljährlich viele Millionen Ostmark zur Verfügung.
© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_20208
Roland Bude
Der aus dem Sudetenland stammende Roland Bude (1926-2019) wurde 1950 in Rostock verhaftet, zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt und ins Lager Workuta in die Sowjetunion verbracht. Man legte ihm Spionage, Antisowjetpropaganda und Vorbereitung konterrevolutionärer Verbrechen nach dem Strafgesetzbuch der RSFRS zur Last. Hier erzählt er von den Ereignissen, die zu seiner Verhaftung geführt haben und der Zeit in Workuta.
Das im Jahre 2018 aufgenommene Interview kann über den Button abgerufen werden
Bericht von Herbert Häber
Politiker der DDR und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED über den Abbau von Betrieben in der SBZ Dauer 3:28 Minuten
© Haus der Geschichte, Zeitzeugen-Portal




